#kirchezuhause

Auch wenn wir uns aufgrund der aktuellen Corona-Krise nicht in unseren Kirchen und Gemeindehäusern versammeln dürfen, so geht das Leben und auch unser kirchliches Leben doch weiter. Wie schön ist es doch, dass wir heute viele Möglichkeiten haben miteinander in Kontakt zu treten ohne uns körperlich nah zu sein. An dieser Stelle werden wir nun geistliche Impulse, Andachten und Gedanken veröffentlichen.

Sonntag | 29. März 2020 | Judika

Ein Wortwechsel aus der Ferne zwischen Vikar Jan Hendrik Eggers und Pastor Nils Donadell

 

Nils Donadell: Moin Jan! Wie geht es Dir als Vikar in unseren Gemeinden mit dieser Situation zu Hause?

 

Jan Hendrik Eggers: Mir geht es soweit gut, was die Frage nach der Gesundheit angeht. Nichts desto trotz stellt es nach wie vor Tag für Tag eine kleine Herausforderung dar, mit den Einschnitten, die die Corona-Krise mit sich bringt, um zu gehen. Der Bewegungsradius ist stark eingegrenzt. An Ausflüge ist erstmal gar nicht zu denken. Soziale Kontakte kann ich nur über das Telefon oder Social Media pflegen, was zusätzlich eine Schwierigkeit darstellt, da ich jemand bin, der gerne unter Leuten ist. Andererseits finde ich die Einschnitte wichtig, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Mir gibt es auch in dieser Zeit Sicherheit zu Hause zu bleiben.

Wie erlebst du die Corona-Krise?

 

Nils Donadell: Zu Hause versuchen wir unseren Radius ebenfalls einzuschränken. Nur an die frische Luft, das muss sein, gerade mit den Kindern. Und im Dienst ist es wirklich ungewohnt im „Home-Office“ zu arbeiten. Die direkte Kommunikation fehlt mir sehr. Ich spreche dafür verstärkt mit Menschen am Telefon. Da höre ich: Einerseits gibt es eine große Sorge, weil diese Gefahr so unsichtbar schleichend ist, andererseits sind viele dankbar, dass sie ein gutes Netz aus Familie und Freunden haben und - dass die Sonne gerade so schön scheint! Wie geht es Dir mit der Absage deines Examens vor zwei Wochen? Gibt es schon einen Plan, wie es weiter geht?

 

Jan Hendrik Eggers: Das war schon doof, weil ich mich wochenlang intensiv auf den Gottesdienst und das Nachgespräch vorbereitet hatte und dann wurde der Gottesdienst aus allerdings völlig nachvollziehbaren Gründen zwei Tage vorher abgesagt. Wie es weitergeht, wissen wir Vikare, die die Examensgottesdienstausfälle bis zum 19. April betreffen leider nicht.

Aber, was mich bewegt: Wie kann ich und auch die Kirche in der Corona-Krise helfen?

 

Nils Donadell: Ich glaube, das ist für viele das Schwierigste, auszuhalten, dass man nicht genau weiß, wie es weiter geht. Wie lange werden die Einschränkungen bleiben? Wie ernst wird es wirklich? Wie lange halten die Firmen und Betriebe durch? Und auch: Wann können wir wieder richtig Gottesdienst feiern? Für uns ist sicher das Gebot der Stunde, Menschen auf anderen Wegen ein Zeichen zu geben, dass wir an sie denken, dass wir sie in unser Gebet einschließen, dass wir den Kontakt halten. am Telefon, durch das Internet, über den Gartenzaun.

Hast Du von den vielen Ideen in der Landeskirche schon etwas Interessantes entdeckt?

 

Jan Hendrik Eggers: Ein paar Kollegen aus dem Vikariat probieren es derzeit mit Youtube-Andachten. Anfangs fand ich das spannend, muss jedoch mittlerweile sagen, dass es mich aufgrund der Ton- und Bildqualität nicht mehr restlos überzeugt. Auch das mit der Tonaufnahme einer Andacht ist sicherlich eine interessante Idee. Jedoch stelle ich infrage, ob es die altersmäßig stärkste Gruppe in den Gemeinden erreicht. Ich glaube, dass zum Beispiel eine kurze Zeitungsandacht viel mehr Menschen erreichen würde. Wird sich das kirchliche Leben wegen der Corona-Krise verändern?

 

Nils Donadell: Auch wenn wir jetzt versuchen, auf alternativen Wegen Menschen anzusprechen, Mut zu machen oder Trost zu spenden, glaube ich nicht, dass das ein genereller Weg für die Zukunft ist. Vielleicht eher eine Übung für den Krisenfall. Die Menschen sehnen sich nach persönlicher Begegnung. Vielleicht wird die dann umso intensiver, wenn all das vorbei ist. Die vielen Diskussionen derzeit bringen mich da auch zum Evangelium für den morgigen Sonntag. Es gibt einen handfesten Streit unter den Jüngern. Jesus antwortet ihnen: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter Euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Für mich ist das der entscheidende Hinweis zu einer dienenden Kirche, die Vorbild für eine dienende Gesellschaft sein kann. Nicht „verwirkliche Dich selbst“ wäre dann das Motto, sondern, „was kann ich für andere tun“!

 

Jan Hendrik Eggers: Das passt für mich ganz generell in diese Passionszeit. Passionszeit bedeutet für mich nicht nur auf persönliche Dinge zu verzichten – das kann ganz nett sein für das eigene Wohlbefinden, wichtiger aber wäre den Blick zu schärfen, wie wir Solidarität und Gemeinschaft üben können.

 

Nils Donadell: Da hast du recht. Ich mache mir z. B. Sorgen um die Menschen, die jetzt nicht mehr von der GMHütter Tafel versorgt werden können. Es scheint da noch keine gute Lösung zu geben. Meine Gedanken gehen aber auch über unsere Stadt, unser Land hinaus. In dieser Krise dürfen die Schwächsten nicht vergessen werden, wie zum Beispiel die Flüchtlinge. Und ich bin ganz sicher, dass wir in Zukunft auch die Auswirkungen unseres Lebensstils viel stärker bedenken müssen. Oft wollen die Vorteile der Globalisierung nutzen, freien Handel, freies Reisen, aber mit den Folgen für die Umwelt oder für die Menschen in den „Billiglohnländern“ nehmen wir es nicht so genau. „Schaffe mir Recht!“ so ist der heutige Sonntag Judika in der Passionszeit überschrieben, aus Psalm 43. Im Alten Testament war diese Forderung nach gleichem Recht gerade für die Armen, Schwachen, Schutzlosen eine zentrale Forderung auf dem Weg zu einer gerechteren Welt.

 

Jan Hendrik Eggers: Ja, meine Hoffnung ist, dass von der Suche und dem Bemühen um Solidarität etwas nach auch der Krise bleibt.

Aber nun wünsche ich Dir und Deiner Familie erstmal einen schönen Sonntag!

 

Nils Donadell: Danke für das Gespräch, Jan, komm gesund und behütet durch die Zeit!

 

Das Evangelium des Sonntags ist Markus 10, 35-45.

 

Der Psalm des Sonntags Judika Psalm 43 „Schaffe mir recht, Gott“.

 

Gebet von Jan Hendrik Eggers

Gütiger Gott, du mutest uns viel zu in diesen Tagen. Wir sind ratlos, was angesichts der Epidemie zu tun ist. Das Zusammenleben wird so komisch verkrampft. Wieviel Abstand müssen wir halten? Wie zeigen wir uns Zuneigung ohne Berührung?

 

Die größten Einschränkungen des Alltags erleben die Kinder und ihre Eltern. Doch eigentlich geht es darum, die Alten zu schützen. Die Maßnahmen, die getroffen werden, reißen uns aus alten Gewohnheiten. Wie gehen wir damit um, dass wir anders oder gar nicht mehr arbeiten dürfen? Werden wir die Epidemie gemeinsam meistern oder werden sich Egoismus und Rücksichtslosigkeit bald wieder breitmachen?

 

Gott, wir wünschen uns von dir, dass du uns das richtige Maß schenkst aus Vorsicht und Gelassenheit.

Mach uns stark darin, für andere mitzudenken und sie dennoch nicht zu bevormunden.

Mach uns lernfähig, so dass wir aus dem Erlebten etwas mitnehmen für die Zeit danach, so dass es auch etwas Gutes hat, was du uns zumutest.

Auch wenn die Prognosen andere sind, bitten wir dich um ein baldiges Ende des Sterbens und der Angst davor.

Amen

 

Fürbitten von Jan Hendrik Eggers

 

Liebender Gott,

uns quält die Ungewissheit, wie unser Leben in der Corona-Krise weitergeht und wir bringen diese Ungewissheit vor dich.

Wir haben Angst vor dem Corona-Virus und wir bringen diese Angst vor dich.

Wir sorgen uns um unsere Gesundheit und die unserer Liebsten und bringen diese Sorgen vor dich.

Wir fürchten um unsere Zukunft und bringen diese Furcht vor dich.

Wir danken dir für die Menschen, die sich in dieser schweren Zeit für andere einsetzen und uns Mut machen:

Für das Pflegepersonal, die Sanitäter, die Ärztinnen und Apotheker, für Polizei und Feuerwehr, die Supermarktangestellten, die Busfahrerinnen und Zugbegleiter.

Mitten in unsere Angst hinein schenkst du uns das Leben. Du schenkst uns Inspiration, Freundlichkeit und Mut. Du schenkst den Glauben, die Hoffnung und die Liebe.

Auf dich vertrauen wir heute, morgen und für immer.

Amen

 

Einen gesegneten Sonntag wünschen Nils Donadell und Jan Hendrik Eggers

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